Das Bundesausbildungsförderungsgesetz – BAföG – trat 1971 in der BRD in Kraft und löste damit sein Vorgängermodell ab. Ziel des BAföGs in seiner ursprünglichen Form war es, dass Schüler*innen und Studierenden aus einkommensschwächeren Bevölkerungsschichten bei der Finanzierung ihrer Ausbildung geholfen werden sollte. Kurzum: Chancengerechtigkeit im Bildungswesen. Hierzu wurde es als Vollzuschuss konzipiert und ein Rechtsanspruch auf Förderung verankert.

Doch die Förderquote bei den Schüler*innen nimmt seit der richtigen Wiedereinführung des Schüler*innen-BAföGs 2010 kontinuierlich ab. Gleichzeitig erhalten jene, die gefördert werden, immer öfter eine Vollförderung. Dies lässt darauf schließen, dass Schüler*innen aus besonders finanziell benachteiligten Haushalten kommen müssen, um BAföG beziehen zu können. Anders ausgedrückt: Schüler*innen müssen ziemlich arm sein, um BAföG zu beziehen. Zudem greift das Instrument Schüler*innen der unteren und mittleren Einkommensschichten nicht mehr. Denn, dass die Zahl der Schüler*innen in der Oberstufe seit Jahren steigt, bedeutet, dass mehr Schüler*innen aus finanziell benachteiligter Herkunft in die Oberstufe gehen. Die logische Konsequenz wäre eigentlich, dass es mehr Schüler*innen mit BAföG-Bezug geben müsste. Ergo: das Schüler*innen-BAföG greift die unteren und mittleren Mittelschichtseinkommen nicht mehr. Hinzu kommt, dass inzwischen starke Unterschiede hinsichtlich der besuchten Schulform existieren, womit das Schüler*innen-BAföG auf gewisser Weise der Logik einer Elitenförderung folgt. Zur politischen Einordnung sind weiter unten die wichtigsten Eckdaten des Schüler*innen-BAföGs aufgeführt.



Die wichtigsten Eckdaten des Schüler*innen-BAföGs

Quellen: Deutsches Studentenwerk ; GEW ; BAföG Aktuell

  • 1971: Das Schüler*innen-BAföG beginnt in der BRD als Vollzuschuss, geknüpft an einengende Kriterien
  • 1982: BAföG-Kahlschlag unter Kohl (CDU): Schüler*innen-BAföG quasi abgeschafft (nur noch, Schüler*innen mit eigener Haushaltsführung)
  • 2010: Änderungsgesetz (CDU, Schavan): Wiedereinführung eines ausgeweiteten Schüler*innen-BAföGs
  • 2014-17: 25. Änderungsgesetz (GroKo): Erhöhung Bedarfssätze und Freibeträge (je 7%), Aufenthaltsberechtigte & geduldete ausländische Studierende können Schüler*innen-BAföG beziehen
  • 2019: 26. Änderungsgesetz (Karliczek, CDU): Unterscheidung neuer Regelungen nach Schulart, Schüler*innen an höheren Fachhochschulen und Akademien werden fast so behandelt wie Studierende, alle anderen sind mit Sonderregelungen bedacht